Es lebe der Universaldilettantismus!

Ist es schon aufgefallen? Immer mehr Kreative erweitern ihr Geschäftsfeld. Grafiker können jetzt auch texten und Marketingkampagnen planen und realisieren. Fotografen können ihrerseits die grafische Gestaltung aller Medien übernehmen. Texter sind plötzlich auch Fotografen. Vertriebler werden zu Social Media Experten. Und mit Filmen kann – dank preiswerter Digitalkameras – inzwischen fast jeder Geld verdienen.

Begründet werden diese „Erweiterungen des Leistungsportfolios“, dass die Kunden nunmehr „Full-Service-Dienstleistungen aus einer Hand“ erwarten. Also, schnell das Hobby zum Beruf erweitert, eine Software installiert, etwas in Technik investitiert, die Werbetrommel angeschmissen – und fertig ist das Paket!

Verlockend – doch qualitativ bedenklich
Auf den ersten Blick ist es für Kunden verlockend, solche Komplettanbieter zu nutzen. Meist kennen sie die Personen aus ihrem Kerngeschäft, das oftmals wirklich gut ist. Ein bißchen Verkaufe, ein paar bunte Werbebildchen – und schon wird es gebucht. Doch die Qualität dieser Leistungserweiterung halte ich für bedenklich.

Natürlich gibt es unerkannte Talente, Naturtalente, die auch außerhalb ihres Kerngeschäfts gut sind. Doch zumeist ist das die Ausnahme. Eine Fortbildung, ein Buch und etwas Software machen noch lange keinen Profis. Die meisten Kreativberufe werden studiert oder in mehrjährigen Ausbildungsberufen systematisch erlernt. Diese Profis sind einfach besser qualifiziert!

„Schuster, bleib bei Deinen Leisten“
Das alte Sprichwort wird oftmals vergessen. Jeder sollte sich auf das konzentrieren, was man wirklich kann. Man sagt ja auch nicht „Ich kann kochen, also bin ich Koch. Ich bin Zeitungsleser, also bin ich Journalist.“

Sinnvoller ist es daher, sich feste Partner zu suchen, mit denen man Full-Service-Dienstleistungen anbieten kann. Doch bei Kreativen und leider auch bei manchen Kunden kommen diese Botschaft, diese Qualität und dieses Verständnis nicht an. Da zählt nur das Geld – und da verliert der Kunde fast immer.

In diesem Sinne kann ich nur sagen: Es lebe der Universaldilettantismus!

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